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Hochwasserschutz und Einbeziehung der Öffentlichkeit in der Hördter Rheinaue

In Deutschland gehört der Hochwasserschutz für schiffbare Flüsse in den Aufgabenbereich der Bundesländer. Um Schutz vor einem 200-jährlichen Hochwasser auf dem Rhein zu gewährleisten, hat das Bundesland Rheinland-Pfalz sich verpflichtet, ein Retentionsvolumen von 62 Mill. m³ zu schaffen. In Erwartung erhöhten Abflusses durch den Klimawandel werden zusätzliche Sedimentationsgebiete benötigt, um die Aufnahmekapazität des Rheins auszuweiten. Daher hat Rheinland-Pfalz die Überschwemmungsgebiete in Hördt als geeignetes Rückhaltegebiet ausgewiesen.

Als Teil des regionalen Raumplanungsverfahrens wurden intensive Diskussionen mit der Öffentlichkeit in der Region angestoßen. Ein öffentliches Moderationsverfahren sollte die Meinungen der Interessengruppen in den Entscheidungsprozess mit einbeziehen. Die öffentliche Debatte konzentrierte sich auf allgemeine Zustimmung zu angemessenen Grenzen und allgemeinen Rahmenbedingungen für ein Überschwemmungsgebiet. Dies führte zur Zustimmung der Öffentlichkeit zu einem Retentionsgebiet für extreme Hochwässer nahe Hördt.

Da Hochwässer negative Auswirkungen auf die Umwelt im Retentionsgebiet haben, schlug das regionale Raumplanungsverfahren die ökologische Flutung als ein Kompensationsmodell vor. Dieses Verfahren stellt die kontinuierliche Landwirtschaft auf höher gelegenen Gebieten sicher, wobei extreme Hochwässer eine Ausnahme darstellen. Darüber hinaus hat die Umwelt somit die Möglichkeit, sich in tiefer gelegeneren Gebieten Schritt für Schritt an die Hochwasserstände anzupassen.

Da die ansässige Bevölkerung der ökologischen Flutung sehr skeptisch gegenübersteht, wurde im Juni 2009 ein Runder Tisch eingeführt. Öffentliche Einrichtungen, Interessengruppen und Kommunalbehörden versuchen eine Vereinbarung zur Regulierung von ökologischen Flutungen zu treffen, um den Interessen von Naturschutz, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naherholung gerecht
zu werden.

Mittlerweile hat sich der Runde Tisch fünfmal getroffen. Mit Hilfe eines externen Moderators hat die Gruppe die Gefahren und Konflikte, die mit ökologischer Flutung einhergehen, analysiert und mögliche Lösungen diskutiert. Lokaltermine konnten die Verfahrensweise der ökologischen Flutung zeigen. Die Angst einer Mückenplage durch die Flutung konnte beschwichtigt werden, da das Bundesland Rheinland-Pfalz einem überregionalen Antimücken-Unternehmen beigetreten ist.

Innerhalb des ALFA-Projektes haben die Projektpartner unterschiedliche Strategien zur Einbeziehung der Öffentlichkeit entwickelt. In Hördt z.B. wurde die öffentliche Debatte über Hochwasserretention und ökologische Flutung auf die lokale Ebene beschränkt. Im Bereich des Eden in Großbritannien hat man andere Lösungen. Dort sensibilisieren Aktionen von Freiwilligen, Veranstaltungen vor Ort und Schulerziehung in Verbindung mit kontinuierlicher Information durch die Medien die Bevölkerung des gesamten Einzugsgebietes und binden sie gleichzeitig in die Arbeit des Eden River Trusts mit ein. Unterschiedliche öffentliche und private Organisationen, NGOs, Wissenschaftler und Interessengruppen sind dort in das ALFA-Projekt involviert. Innerhalb des Einzugsgebietes des Eden tragen diese Ansätze erfolgreich zu einer Stärkung der Solidarität sowohl flussaufwärts als auch flussabwärts bei.

Abb.: Wasserstand bei ökologischer Überflutung in Hördt - Quelle SGD-Süd

 
 
in the spotlight
 
The Hördt floodplain reserve retention area is part of the differentiated system of flood protection in the state of Rhineland-Palatinate in Germany.
 
 
 
 
The Hördter Rheinaue case is situated in the Upper Rhine valley in southwest Germany. It encompasses part of the Rhine’s sub-recent floodplain on the left bank of the river.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
last update: Wednesday, 15 February 2012